Experteninterview: „Wir wollen, dass die Leute wieder einen objektiven Blick für Schiffsinvestments haben“

Geld in Crowdinvesting anlegen

Dr. Richard Heuser und Hanno Tamminga, Geschäftsführer von New Shore Invest, bieten mit ihrer Firma tokenisierte Investments in Schiffe an. Im CAPinside-Interview sprechen sie über den Druck in der Branche, die Corona-Krise und warum die Zeit reif ist für Schiffinvestments.

Das ereignisreiche und stürmische Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu, die Welt steckt in einer massiven Wirtschaftskrise. Wurdet Ihr auch vom Abwärtsstrudel mitgerissen?

Hanno Tamminga: Geändert hat sich für uns eigentlich nichts. Unser Coaster-Schiffsprojekt names RHAS 5 hat immer noch einen billigen Baupreis, und wir haben immer noch einen günstigen Einstiegszeitpunkt im Vergleich zum Gesamtzyklus des Coaster-Marktes. Das Schiff ist nach wie vor überdurchschnittlich wettbewerbsfähig, und die feste Beschäftigung und damit Erlössicherheit für die ersten Jahre haben wir auch immer noch. Die RHAS 5 wird schon gut in einem Jahr ausgeliefert und dann Einnahmen produzieren können, die mehr als kostendeckend sind. Alles in allem sind wir mit unserem Projekt generell von den kurzfristigen Schwankungen, die sich ergeben könnten und bisher kaum ergeben haben, völlig unabhängig.

 

 

In der letzten großen Krise litt aber gerade die Schiffsbranche extrem, und Investments in dem Sektor müssen seitdem mit einem zweifelhaften Ruf kämpfen.

Richard Heuser: Wir wollen, dass die Leute wieder einen objektiven Blick für die Assetklasse Schiff haben – ohne Vorbehalte. Bei nicht-professionellen und damit privaten Investoren ist das immer noch schwierig. Bei institutionellen Anlegern ist die Schifffahrt allerdings schon vor ein paar Jahren wieder zum Investmentthema geworden, einfach weil sie diversifizieren müssen. Viele wissen auch, dass das Portfolio schon mit Projekten für erneuerbare Energien und ganz vielen Immobilien voll ist und der jeweils richtige Zeitpunkt für den Einstieg auch verpasst wurde. Wenn sich diese Investoren dann objektiv und neutral nach anderen Sachwerten als Immobilien umschauen, dann fällt der Blick recht schnell auf die Schifffahrt.

 

 

Die Krise aus 2008 wirkt aber noch nach. Was war damals das Problem bei den Investments – und was hat sich seitdem geändert?

Hanno Tamminga: Die Schifffahrtsbranche war in den Hochzeiten zwischen 2003 und 2007 da, wo jetzt vielleicht die Immobilienbranche ist. Es gab einen massiven Capital Overflow von den Banken, die die Schiffe teilweise zu 100 Prozent und ohne Eigenkapital finanzierten. Dass das langfristig nicht gesund ist, war klar und hat sich damals ja auch bewahrheitet. Deswegen beteiligen sich heute nur noch mit Schifffahrt vertraute Banken mit einem niedrigem Leverage von 50 bis 60 Prozent an ausgewählten Projekten in soliden Nischenmärkten – so eine Bankenfinanzierung ist deswegen ein Ritterschlag. Nur: Die verbliebenen 40 bis 50 Prozent des Kapitalbedarfs müssen über das Eigenkapital finanziert werden. Und das Vehikel dazu haben wir mit New Shore Invest.

 

 

Damit tretet ihr als Vehikel für Schiffinvestments die Nachfolge der inzwischen verpönten geschlossenen Dachfonds an. Wie hoch ist der Druck, den Ihr Euch damit auferlegt und wird es bei Euch besser laufen?

Richard Heuser: Um es mal bildlich zu erklären: Die Schifffahrt kommt gerade langsam wieder aus einem dunklen Keller hinaus und lugt vorsichtig um die Ecke, ob sie sich wieder raustrauen kann. Wenn die Schifffahrt sich dann mit dem ersten Projekt, das der breiten Öffentlichkeit präsentiert wird, direkt wieder auf die Nase legt, kann sie in diesen Keller zurückgehen. Das heißt im Umkehrschluss für die Branche und auch für uns: Es ist enorm wichtig, dass die ersten Projekte qualitativ sehr hochwertig sind und am Ende aller Tage funktionieren. Nicht als Betongold oder Stahlgold und nicht zur Altersvorsorge, sondern als gutes Investment zur Beimischung. Denn wenn die ersten Projekte scheitern, dann haben wir persönlich und die Branche ein Riesenproblem. Dann kocht die negative Stimmung wieder hoch, die wir gerade bekämpfen.

 

 

Was ist denn das Besondere am Projekt RHAS 5, so dass es diesem Druck gewachsen ist?

Hanno Tamminga: Rund 90 Prozent des Welthandels werden über Schiffe abgewickelt, innereuropäisch 40 Prozent. Das sind vor allem Versorgungsgüter, die gar nicht über Schiene oder Straße transportiert werden können, etwa Getreide oder Düngemittel. Dieses sogenannte Coaster-Segment ist damit ein elementarer Versorger unserer europäischen Gesellschaft. Allerdings ist die Flotte veraltet, in den letzten Jahren sind keine neuen Schiffe dazugekommen, und die Umweltauflagen werden immer strenger. Die RHAS 5 ist aber ein ökonomischer und auch ökologisch sehr attraktiver Neubau mit weniger CO2- und Stickoxid-Ausstoß bei gleichzeitig geringem Verbrauch. Sie erfüllt alle Anforderungen – deswegen hat sie nicht nur eine Bankenfinanzierung bekommen, sondern ist für die ersten Jahre auch schon fest beschäftigt.

 

 

Warum ist das Projekt sowohl für professionelle als auch für private Investoren interessant?

Hanno Tamminga: Wir wollen keinen alten Scheiß in neue Gewänder kleiden! Stattdessen haben wir mit der Tokenisierung eine neue Struktur: Handelbarkeit, rechtliche Strukturen. Dazu kommt der Schifffahrtsblick: Wir konzentrieren uns auf ein stabiles und für Privatanleger attraktives Nischensegment. Und drittens der Gesamtzyklus: Wir betreten den Markt an seiner Talsohle.

Richard Heuser. Und als vierten wichtigen Punkt gibt es noch die Tonnagesteuer, die keine andere Assetklasse bieten kann und die Schifffahrt quasi zur niedrigstbesteuerten Anlage überhaupt macht. Wenn also eine Immobilie mit etwa sieben Prozent die gleiche Rendite wie ein Schiffinvestment  erwirtschaften will, müssen es brutto um die zehn Prozent sein. Und das müsste schon eine verdammt risikoreiche Immobilie sein.

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Gesetzlicher Warnhinweis:
Der Erwerb von Schiffswertpapieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.