Börsencrash durch das Coronavirus: Was nun?

Boersencrash durch Coronavirus
Die Ausbreitung des Coronavirus hat in den vergangenen Wochen zu erheblichen Kursverlusten bei Dax, Dow Jones, MSCI World und vielen weiteren Indizes geführt. Der Einfluss des Virus auf die gesamte Wirtschaft, insbesondere auf Branchen wie die Automobilbranche, Banken, Fluglinien, Reiseunternehmen, die Freizeitbranche und Gastronomie, sowie die allgemeine Verunsicherung der Anleger, haben für einen Börsencrash gesorgt. Noch vor gut einem Monat verzeichnete der Dax noch Höchststände, nun ist er tagesaktuell bei unter 8500 Punkten angekommen (Stand 23.03.2020).
Entwicklungen des DAX in den letzten drei Monaten
Auch der Aktienindex MSCI World, der aus 1600 Aktien aus 23 verschiedenen Industrieländern besteht, ist von seinem Hoch im Februar in einem Zeitraum bis Mitte März um 30 Prozent gefallen. Damit ist der Wert dieses Index nun wieder auf einem Niveau von 2016 angekommen.
Entwicklungen des MSCI World durch den Coronavirus
Diese Entwicklungen führen zu weiteren Unsicherheiten bei vielen Anlegern. Sie fragen sich nun: “Soll ich meine Aktien jetzt verkaufen?”, “Inwieweit sollte ich an meiner Buy-and-Hold Strategie festhalten?” und “Droht nun eine Rezession?”.
Im Folgenden beschäftigen wir uns näher mit diesen Fragen und stellen Anlegern zusätzlich Anlageklassen vor, die sich gut eignen können, um Verluste aus Aktien und ETFs auszugleichen.

Die Finanzkrise 2008 und die derzeitige Entwicklung aufgrund des Coronavirus im Vergleich

Die derzeitigen Entwicklungen aufgrund des Coronavirus erinnern viele Anleger an die starken Verluste der Börse durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Parallelen zeichnen sich hierbei in den fallenden Aktienkursen und der sich abzeichnenden Rezession ab. Außerdem wollen auch in der aktuellen Situation die Notenbanken und Regierungen einen Absturz schnellstmöglich verhindern.
Ein großer Unterschied zwischen der Weltwirtschaftskrise 2008 und den derzeit fallenden Kursen ist die Ursache. Im Jahr 2008 lag diese bei einer über Jahre aufgebauten starken Überbewertung der Immobilienmärkte (Blase) – insbesondere in den USA – und einem damit einhergehenden hohen Verschuldungsgrad. In Folge des Platzens dieser Blase entwickelte sich anschließend eine Banken- und Finanzkrise, die wiederum viele Länder in die Wirtschaftskrise führte.

Interessant

Insbesondere die Insolvenz der Bank Lehman Brothers sorgte dafür, dass die Börsen weltweit große Verluste aufwiesen. Aus diesem Grund gilt die sogenannte Lehman-Pleite als Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008.

Die Ursache für die derzeitigen Kursverluste liegt allerdings nicht im Finanzsektor, sondern in dem Angebotsrückgang von z.B. Konsumgütern wie Kraftfahrzeugen und Textilien aufgrund des Coronavirus. Aus Sicherheitsgründen müssen derzeit weltweit viele Fabriken und Produktionsstätten geschlossen bleiben und es kommt in manchen Bereichen zu fast hundertprozentigen Produktionsausfällen. Dadurch werden globale Wertschöpfungsketten unterbrochen, es kommt zum Beispiel zu erheblich weniger Nachfrage von Rohstoffen, die zur Produktion von Konsumgütern benötigt werden.
Auf der anderen Seite sorgt der Nachfragerückgang der Konsumenten für die Entwicklung einer besonders komplexen Situation. Aufgrund von gesundheitspolitischen Beschränkungen wie der Schließung von Restaurants, Tourismusattraktionen, Kinos und Theatern, konsumieren Personen derzeit deutlicher weniger. Wichtiges Geld, das dem Wirtschaftskreislauf fehlt und zu einer Vielzahl von Insolvenzen und damit verbundenen Kreditausfällen gegenüber Banken führen wird.

Um die Wirtschaft zu stabilisieren, wäre die Lösung nun das Ankurbeln der Nachfrage. Dies ist allerdings in der aktuellen Situation aus gesundheitspolitischer Sicht schwer möglich.

Experten gehen aus diesem Grund davon aus, dass der Börsencrash durch das Coronavirus sogar stärkere und langwierigere Auswirkungen auf den Finanzsektor haben wird, als die Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008.

Ein Börsencrash als Chance für Anleger?

Aufgrund der Unsicherheiten auf Seiten der Anleger verkaufen viele Investoren bei einem Börsencrash ihre Anteile. Allerdings gibt es auch Anleger, die genau auf eine solche Gelegenheit warten und die aktuelle Situation als idealen Einstiegspunkt sehen. Der Grund hierfür sind die niedrigen Preise der Unternehmensanteile. Für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont sind Börsenschwankungen demnach eine echte Chance. Auf der anderen Seite ist das Risiko hoch, weil die Kurse trotzdem noch weiter fallen können und es schwer abzuschätzen ist, wann die Krise überstanden sein wird. Wer jetzt Aktien kauft, muss in der Lage sein, diese lange halten zu können, um die schwankenden Kurse über einen langen Anlagezeitraum hinweg auszugleichen.
Allerdings gilt auch für Anleger mit einem Anlagehorizont von über 15 Jahren, dass sie ihr Risiko auf verschiedene Assetklassen streuen sollten, um temporäre Börsenschwankungen mit den Gewinnen aus anderen Anlageklassen zu kompensieren.

Interessant

In Zusammenhang mit sinkenden Kurswerten ist häufig auch die Rede von dem sogenannten Cost-Average-Effekt. Dieser beschreibt das vermehrte Erwerben von Aktien bei fallenden Kursen und das verminderte Erwerben von Aktien bei steigenden Kursen. Auf diese Weise kaufen Anleger die Anteile zu einem Durchschnittspreis, der zwar über dem niedrigsten Preis, aber auch unter dem höchsten Preis liegt.
Dank des Cost-Average-Effekts können Timing-Fehler bei dem Kauf von Aktien deutlich verringert werden.

Sinkende Kurswerte: So sollten Anleger mit einem Börsencrash umgehen

Darum sollten Anleger weiterhin an der Buy-and-Hold-Strategie festhalten

In der schwierigen Zeit eines Börsencrash neigen Anleger häufig dazu, in Panik zu verfallen und ihre Aktien zu verkaufen. Auch Investoren, die nach der Buy-and-Hold Strategie handeln, fragen sich in dieser Zeit nun, ob es nicht ratsam wäre, ihre Anteile doch abzugeben.
In der Folge von fallenden Kurswerten sind die Aktien im Portfolio eines Investors weniger Wert. Allerdings realisiert sich der Verlust erst bei dem Verkauf der Anteile. Es ist demnach besonders wichtig, Ruhe zu bewahren und die Aktien weiterhin zu halten. Auf diese Weise können die Schwankungen über den langfristigen Anlagehorizont hinweg ausgeglichen werden.

Dies zeigt auch der Verlauf des Dax in einem Zeitraum von 10 Jahren. Auch wenn der Dax temporären Schwankungen unterliegt, so ist das Wachstum der Kurswerte über einen langen Zeitraum hinweg gestiegen. Für Anleger mit einem langen Anlagehorizont lohnt es sich demnach an der Buy-and-Hold Strategie festzuhalten.

DAX Entwicklungen letzte 10 Jahre

Darum ist ein diversifiziertes Investmentportfolio bei einem Börsencrash besonders hilfreich

Insbesondere in Krisenzeiten ist ein diversifiziertes Portfolio hilfreich. Aufgrund der Risikostreuung auf verschiedene Assetklassen mit unterschiedlichem Risiko und Anlagehorizont können Anleger so auch während eines Börsencrash entspannter sein. Sollten also Aktien und ETFs aufgrund von fallenden Kursen an Wert verlieren, fällt das Halten der Aktien mit einem diversifizierten Portfolio leichter, da andere Assetklassen die Verluste ausgleichen und dafür sorgen, dass der Investor weiterhin liquide ist, um Chancen nutzen zu können.

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Sie möchten mehr zum Thema Diversifikation erfahren?

Sie möchten mehr darüber erfahren, wie Anleger ein diversifiziertes Investmentportfolio aufbauen? Dann lesen Sie gern unseren ausführlichen Artikel zu diesem Thema.

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Diese Anlageklassen eignen sich ideal zur Ergänzung von Aktien im Portfolio

Da Aktien zu den risikoreicheren Anlageklassen zählen, ist es sinnvoll das Investmentportfolio mit weniger riskanten Assets zu diversifizieren, beziehungsweise Anlagen zu wählen, die sich gegenläufig oder langsamer als Aktienkurse entwickeln.

Tagesgeld- und Girokonten

Um stets über liquide Mittel zu verfügen, sollten Anleger stets einen Teil ihres Vermögens auf die risikoarmen Anlageklassen wie Tagesgeld- oder Girokonten legen. Dank der ständigen Verfügbarkeit dieser Einlagen, besitzen Investoren zu jedem Zeitpunkt den Zugriff auf ihre Rücklagen. Damit verfügen Investoren auch in schwierigen Zeiten über ausreichend Liquidität, die zum Beispiel zum Zukauf von verbilligten Assets genutzt werden kann.

Gold

Ein Beispiel für eine geeignete Anlageklasse zur Diversifikation sind Edelmetalle und im Besonderen Gold. Mit der Geldanlage in Gold erhalten Investoren zwar keine laufenden Erträge, allerdings überzeugt diese Assetklasse durch die relative Wertstabilität in Krisenzeiten. Damit sind Edelmetalle ideal zur Ergänzung zu Aktien und ETFs im Portfolio.

Schiffswertpapiere

Eine weitere interessante Anlageklasse, die Aktien im Investmentportfolio ergänzen kann, sind Schiffswertpapiere. Hierbei bieten sich Investitionen in Schiffstypen an, die vorrangig Versorgungsgüter transportieren, da diese insbesondere in Krisenzeiten von größter Bedeutung sind, damit die Versorgung aller gewährleistet ist.
Weiterhin ist der Schiffsmarkt im Gegensatz zum Aktienmarkt ein sich langsam entwickelnder Markt. Der Grund hierfür ist, dass Sachwerte nicht so sprunghaft wie Aktien sondern deutlich langsamer auf exogene Einflussfaktoren reagieren. Der Aktienmarkt reagiert hingegen wesentlich schneller und vor allem stärker auf solche Einflussfaktoren wie auch die entsprechende Berichterstattung. Er ist insgesamt irrationaler und dadurch volatiler in Krisenzeiten.
Mit Schiffsinvestitionen können Anleger von aussichtsreichen Renditen profitieren und ihr Portfolio zusätzlich um einen Sachwert ergänzen. Das Besondere an Schiffswertpapieren ist hierbei die Besteuerung. Anders als Aktien und Immobilien beispielsweise, unterliegen die Erträge aus Schiffsinvestitionen nicht der Kapitalertragssteuer sondern der Tonnagesteuer. Die Tonnagesteuer beträgt hierbei in der Regel unter 1% auf den ausgeschütteten Gewinn. Zum Vergleich: Die Kapitalertragssteuer liegt bei 25%. Anleger dieser Assetklasse profitieren demnach von einer niedrigeren Besteuerung.

Fazit

In Zeiten des Börsencrash aufgrund des Coronavirus ist es für Anleger besonders wichtig Ruhe zu bewahren. Unüberlegte Verkäufe ihrer Anteile können zur Realisierung von Verlusten führen. Eventuell ist es ratsamer, die erworbenen Aktien zu halten, da sich Kursschwankungen über einen Zeitraum von 10 Jahren und mehr ausgleichen können.
Weiterhin sollten Anleger in Zeiten der Krise ihr Portfolio prüfen. Hierbei ist es vorteilhaft, sowohl aussichtsreiche als auch risikoarme Anlageklassen in das Portfolio aufzunehmen, sodass die Verfügbarkeit liquider Mittel jederzeit gewährleistet ist und Investoren trotzdem attraktive Renditen erzielen können. In diesem Zusammenhang können auch weitere Assetklassen in das Investmentportfolio aufgenommen werden, die sich ideal als Ergänzung zu Aktien eignen, wie beispielsweise Gold und Schiffswertpapiere.
Viele Anleger, die einen langfristigen Anlagehorizont besitzen, sehen den aktuellen Börsencrash außerdem als Chance günstige Aktien zu erwerben.

Gesetzlicher Warnhinweis:
Der Erwerb von Schiffswertpapieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
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