In Aktien investieren – das müssen Anleger vor ihrem Einstieg wissen

Langfristige Geldanlage

In Zeiten von Niedrigzinsen müssen Anleger, die mit ihrer Geldanlage einen Vermögenszuwachs anstreben, auch in chancenreiche Anlageklassen wie beispielsweise Aktien investieren.
Hierbei nutzen viele Investoren insbesondere Situationen wie die derzeitige Coronakrise für den Erwerb von Aktien. Die Gründe sind dabei die geringen Einstiegssummen und die Aussicht auf hohe Renditen bei erneutem Aufschwung der Börsenkurse (antizyklische Anlagestrategie).
Im Folgenden erfahren Sie alles über die Investition in Aktien, welche Vor- und Nachteile diese Geldanlage beinhaltet und welche Aktien sich besonders für den Einstieg an der Börse eignen.

Diese Begriffe sollten Anleger für die Investition in Aktien kennen

Vor dem Einstieg an der Börse ist es wichtig, sich zunächst umfassend über die Investition in Aktien zu informieren. Hierfür sollten Anleger insbesondere die Begriffe Aktie, Börse und Depot kennen.

Was sind Aktien?

Aktien sind Anteile einer Aktiengesellschaft. Bei einem Börsengang eines Unternehmens werden die Anteilsscheine erstausgegeben. Danach können Anleger Aktien über eine Börse erwerben (bzw. veräußern) und so zum Aktionär (Miteigentümer) des börsennotierten Unternehmens werden. Mit der Investition in Aktien erhalten Anleger die Chance von steigenden Kursen und möglichen Dividenden zu profitieren. Die Dividende ist dabei ein Teil des Gewinnes der Aktiengesellschaft, der an die Investoren jährlich, oder manchmal auch quartalsweise, ausgeschüttet wird. Es wird zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien unterschieden. Bei einer Stammaktie erhalten Aktionäre ein Stimmrecht auf der jährlichen Hauptversammlung und können so das Unternehmensgeschehen aktiv mitbestimmen. Vorzugsaktien haben keine Stimmrecht, dafür aber in der Regel das Recht auf eine höhere Dividende.

r

Achtung

Auf der jährlichen Hauptversammlung, auch Aktionärsversammlung genannt, können Investoren zwar das Unternehmensgeschehen mitbestimmen, allerdings besitzt die Stimme eines Kleinaktionärs bei einem etablierten und bekannten Unternehmen häufig nur eine geringe Gewichtung.

Was ist die Börse?

Die Börse ist der Marktplatz für den Handel von Wertpapieren. Zu diesen zählen neben Aktien auch z.B. Anleihen, Derivate oder Rohstoffe, wobei letztere physisch nur an speziellen Rohstoffbörsen gehandelt werden. Schwer handelbare Wertgegenstände wie beispielsweise Maschinen oder Immobilien werden an der Börse nicht gehandelt.
Die Preise der jeweiligen Wertpapiere (Börsenkurse) richten sich hierbei nach dem Angebot und der Nachfrage. Üblicherweise steigt die Nachfrage nach den Anteilsscheinen bei der Erwartung an gute Unternehmenszahlen und umgekehrt. Die Börsenhändler, die im Auftrag der Kunden die Kauf- und Verkaufsaufträge an der Börse vornehmen, werden als Broker bezeichnet.

Die Börse wird dabei nach “echten” Börsenplätzen und rein elektronischen Börsenplätzen unterschieden. Die bekanntesten “echten” Börsenplätze sind die New Yorker Börse sowie die Börse in Frankfurt. Ein Beispiel für eine rein elektronische Börse ist hierbei die XETRA (Exchange Electronic Trading) der Deutschen Börse, oder die Technologiebörse Nasdaq in New York.

Was ist ein Depot?

Für die Investition in Aktien benötigen Anleger ein Wertpapierdepot. In diesem werden die erworbenen Wertpapiere verwahrt. Die Wertpapierorders, d.h. Kauf oder Verkauf werden an Börsenhändler (Broker) weitergeleitet, die anschließend gegen Provision die entsprechende Order für den Privatanleger ausführen und anschließend im Depot verbuchen. Orders können mit bestimmten Kurszielen und zeitlich begrenzt gegeben werden, zum Beispiel so genannte „Stop loss“, „Stop buy“ oder „Limits“. Werden die vorgegebenen Kursziele innerhalb des Zeitlimits nicht erreicht, verfällt die Order.
Ein Depot können Investoren über eine Bankfiliale oder aber über Online-Banken und Online-Broker eröffnen. Hierbei sollten Anleger vor der Geldanlage in Aktien prüfen, welche Depotgebühren anfallen.

Tipp

Für den Einstieg in die Börse eignet sich ein Musterdepot besonders gut. Innerhalb diesem können Anleger den Aktienkauf- und verkauf mit Spielgeld simulieren und so ein erstes Gefühl für die Abläufe innerhalb des Aktienmarktes erlangen.

Vor- und Nachteile der Geldanlage in Aktien

Aktien zählen zu den chancenreichen Anlageklassen. Aus diesem Grund sind Investitionen in Aktien auch mit einem höheren Risiko verbunden. Anleger können bei dieser Geldanlage von möglichen Kurssteigerungen und Dividenden profitieren. Allerdings zahlt nicht jedes Unternehmen eine Dividende. Die Renditen in Form von Dividende oder der Kurssteigerung sind nicht garantiert, sondern richten sich stets nach dem Unternehmensverlauf und den Aktienkursen, sodass es nötig ist, diese regelmäßig im Blick zu behalten.
Neben der Chance auf attraktive Renditen sind Aktien bei Investoren aufgrund ihrer hohen Liquidität beliebt, was bedeutet, dass sie zu jedem Zeitpunkt und in großer Anzahl handelbar sind.
Ein weiterer Vorteil dieser Geldanlage ist die große Auswahl an Aktien der unterschiedlichsten Branchen. Demgegenüber steht allerdings das Risiko der Unternehmenspleite und damit des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals des Anlegers. Außerdem ist der Aktienmarkt ein besonders volatiler Markt. D.h., er reagiert demnach wesentlich schneller und stärker auf exogene Faktoren, wie beispielsweise die Berichterstattung. Dies beweist auch die jüngste Situation im Zuge der Coronavirus Pandemie, bei der der DAX innerhalb von nur 28 Tagen um 39% gefallen ist.
Außerdem sollte Aktionären bewusst sein, dass die Erlöse aus Investitionen in Aktien der Kapitalertragssteuer unterliegen. Diese beträgt 25% und schmälert die Rendite der Geldanlage somit deutlich.

Vorteile

  • attraktive mögliche Kurssteigerungen und Dividenden
  • hohe Liquidität (jederzeit handelbar)
  • große Auswahl an verschiedenen Aktien
  • Stimmrecht auf der jährlichen Hauptversammlung

Nachteile

  • Teil- oder Totalverlustrisiko des eingesetzten Kapitals
  • keine festen Renditen (abhängig vom Unternehmensverlauf und den Aktienkursen)
  • volatiler Markt (besonders abhängig von exogenen Faktoren)
  • Renditen werden durch Kapitalertragssteuer geschmälert

In Aktien investieren – so funktioniert es

Investoren, die mit Aktien Geld verdienen möchten, sollten sich im Vorfeld zunächst ein Grundwissen über die Börse aneignen und ein Interesse am Weltwirtschaftsgeschehen haben, da dieses zum Teil erheblichen Einfluss auf die Aktienkurse haben kann. Im Anschluss daran können Anleger mit ihrer Geldanlage in Aktien beginnen.
Die Investition in Aktien läuft hierbei in drei Schritten ab:

  1. Depot anlegen
  2. Anlageziel definieren
  3. Depot zusammenstellen

1. Depot anlegen

Für die Verwahrung und Verwaltung von Aktien und anderen Wertpapieren benötigen Anleger ein Wertpapierdepot. Hierbei sollten Investoren die verschiedenen Anbieter gut miteinander vergleichen, da zum Teil hohe Verwaltungs- und Depotführungsgebühren vermieden werden können.
Weiterhin sollten Anleger auf die anfallenden Gebühren für den Kauf und Verkauf der einzelnen Aktien und Fonds achten. Dabei können sich die Orderprovision und die Börsengebühren, abhängig von der Depotbank und dem gewählten Handelsplatz, stark unterscheiden.
Um ihre künftigen Renditen demnach nicht unnötig zu schmälern, sollten Investoren einen kostenlosen Depotanbieter mit geringen Ordergebühren wählen.

2. Anlageziel definieren

Noch vor dem ersten Kauf einer Aktie ist es wichtig, dass Anleger sich darüber Gedanken machen, zu welchem Risiko sie bereit sind und welche Rendite sie in einem bestimmten Zeitraum erzielen möchten.
Hierfür ist es wichtig, dass Investoren stets nur Kapital investieren, dass sie langfristig nicht benötigen. Andernfalls können Liquiditätsprobleme entstehen und die Aktien müssen zu einem ungünstigen Zeitpunkt, womöglich sogar mit Verlust, verkauft werden.
Anleger, die Geld mit Aktien verdienen möchten, sollten sich über das höhere Verlustrisiko dieser Assetklasse bewusst sein. Allerdings können weniger risikofreudige Investoren mit der Wahl der einzelnen Aktien oder Aktienfonds das Risiko beeinflussen.

3. Depot zusammenstellen

Die Auswahl verschiedener Aktien wird als “Stock-Picking” bezeichnet. Welche Aktien ein Investor in sein Portfolio aufnimmt, hängt entscheidend von seiner Risikobereitschaft ab. Risikofreudige Anleger können beispielsweise in Aktien noch junger Unternehmen investieren, bei denen das Risiko, aber auch die Renditeaussichten deutlich höher sind. Investoren, die ein geringeres Risiko eingehen möchten, können dabei in bereits etablierte Unternehmen beständiger Branchen investieren.

r

Achtung

Anleger, die in Aktien investieren möchten, sollten sich umfassend über das Unternehmen der jeweiligen Aktie informieren. Hierbei sollten sich die möglichen Absatzmärkte sowie die Aktienkursentwicklungen des Unternehmens innerhalb der vergangenen Jahre angesehen werden. Außerdem sollte geprüft werden, von welchen Einflussfaktoren der Erfolg des Unternehmens abhängig ist und welche Informationen die Geschäftsberichte liefern.
Nur wenn ein Investor das Geschäft des Unternehmens vollständig versteht, sollte er Aktien dieser Firma erwerben.

Um das Verlustrisiko beim Aktienkauf zu minimieren, sollten Investoren stets ihr Depot diversifizieren. Hierfür sollte nie nur in eine Einzelaktie investiert werden. Investoren sollten in verschiedene Aktien von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen investieren. Auf diese Weise können etwaige Verluste mit Gewinnen anderer Aktien ausgeglichen werden. Hierbei raten Experten weiterhin auch Anlagen unterschiedlicher Risikoklassen in das Portfolio aufzunehmen.

Diese Assetklassen eignen sich gut als Ergänzung zu Aktien im Portfolio

Aktien zählen zu den risikoreichen Anlageklassen. Damit Investoren ihr Verlustrisiko minimieren, sollten sie ihr Kapital auf verschiedene Assetklassen streuen. Hierfür eignet es sich risikoärmere Anlagen wie Tages- und Festgeld in das Portfolio aufzunehmen, um sicherzustellen, stets über liquide Mittel zu verfügen.
Außerdem ist die Geldanlage in Assets wie Immobilien, Edelmetalle oder Schiffsinvestments sinnvoll. Schiffsinvestments eignen sich ideal zur Ergänzung im Portfolio eines Aktionärs, da sie trotz geringer Mindesteinlagen attraktive Renditeaussichten besitzen, auch wenn mit dieser Assetklasse ebenfalls ein Verlustrisiko verbunden ist. Das Besondere an dieser Anlageklasse ist hierbei die Tonnagesteuer. Dank dieser müssen Investoren lediglich unter 1% Steuern bezogen auf den ausgeschütteten Gewinn zahlen. Von diesem Privileg können also nur Anleger von Schiffswertpapieren profitieren.

A

Diversifikation des Portfolios

Möchten Sie noch mehr über die Möglichkeiten der Risikominimierung erfahren? In unserem ausführlichen Magazinartikel zum Thema Diversifikation des Portfolios informieren wir Sie umfassend.

Mehr erfahren >

Diese Aktien eignen sich für den Einstieg

Börseneinsteiger sollten sich in jedem Fall umfassend vor ihrem ersten Aktienkauf informieren und mit der Investition in Märkte beginnen, die ihnen bereits vertraut sind. Für den Einstieg können sich sogenannte “Blue-Chip” Aktien (Standardwerte) eignen. Dies bezeichnet umsatzstarke Aktien großer Unternehmen. Sie zeichnen sich durch ein hohes Handelsvolumen aus. Die Kursschwankungen dieser Aktien fallen in der Regel geringer aus, sodass sie sich gut für den Einstieg an der Börse eignen. Zu diesen Blue Chip Aktien zählen unter anderen die DAX-30 Werte, zu denen beispielsweise Aktien von Siemens, Volkswagen und Allianz gehören.

Fazit

Die Investition in Aktien bietet insbesondere durch attraktive Renditeaussichten eine interessante Anlageklasse für Investoren. Hierbei sollte das Verlustrisiko dieser Anlagen allerdings durch die Ergänzung anderer Assetklassen im Portfolio minimiert werden. Zudem ist es wichtig, sich vor dem Einstieg an der Börse umfassend über die einzelnen Unternehmen sowie die verschiedenen Depotanbieter zu informieren, um hohe Depotgebühren zu vermeiden.
Für Aktien-Anfänger ist außerdem ein Musterdepot ideal, um zunächst die Abläufe innerhalb des Aktienmarkts nachvollziehen zu können.

Gesetzlicher Warnhinweis:
Der Erwerb von Schiffswertpapieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.